Dienstag, 30. Juli 2013

Dietrich Bonhoeffer Fanö 1934



 1934, fünf Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkriegs,  hat der 28jährige Dietrich Bonhoeffer bei einer großen Tagung des ökumenischen Weltbunds für Freundschaftsarbeit eine Rede gehalten, die durch ihre Hellsicht und Radikalität gekennzeichnet ist. Teile daraus werden in der Friedensbewegung häufig zitiert.
Nichts von seiner Vision, wie durch das Wirken der christlichen Kirche dem Krieg ein Ende gemacht und Frieden zwischen den Völkern hergestellt werden kann, scheint sich in den seither vergangenen 69 Jahren verwirklicht zu haben.
Und doch  ist dieser Text alles andere als überholt. Er ist immer noch von höchster Aktualität.
Aus meiner Sicht steht die Bitte an die Delegierten der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Forderung Den Krieg nicht mehr lernen, als Weisung Gottes  in die Vollversammlung in Busan hineinzutragen, in vollem Einklag mit der Rede Bonhoeffers in Fanö.

Ich zitiere aus seiner  Rede folgende Sätze:   


„Friede auf Erden“, das ist kein Problem, sondern ein mit der Erscheinung Christi selbst gegebenes Gebot.

Friede soll sein, weil Christus in der Welt ist, d.h. Friede soll sein, weil es eine Kirche Christi gibt, um deretwillen allein die ganze Welt noch lebt. Und diese Kirche Christi lebt zugleich in allen Völkern und doch jenseits aller Grenzen völkischer, politischer, sozialer, rassischer Art

Diese Brüder durch Christus gehorchen seinem Wort und zweifeln und fragen nicht, sondern halten sein Gebot des Friedens und schämen sich nicht, der Welt zum Trotz sogar vom ewigen Frieden zu reden. Sie können nicht die Waffen gegeneinander richten, weil sie wissen, dass sie damit die Waffen auf Christus selbst richteten

Wie wird Friede? Durch ein System von politischen Verträgen? Durch Investierung internationalen Kapitals in den verschiedenen Ländern? D.h. durch die Großbanken, durch das Geld? Oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung zum Zweck der Sicherstellung des Friedens? Nein, durch dieses alles aus dem einen Grunde nicht, weil hier überall Friede und Sicherheit verwechselt wird. Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg zur Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.

Noch einmal darum: Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, dass die Welt es hört, zu hören gezwungen ist? Dass alle Völker darüber froh werden müssen? Der einzelne Christ kann das nicht - er kann wohl, wo alle schweigen, die Stimme erheben und Zeugnis ablegen, aber die Mächte der Welt können wortlos über ihn hinwegschreiten. Die einzelne Kirche kann auch wohl zeugen und leiden – ach, wenn sie es doch täte -, aber auch sie wird erdrückt von der Gewalt des Hasses. Nur das eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss und dass die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt.

Die Stunde eilt – die Welt starrt in Waffen und furchtbar schaut das Misstrauen aus allen Augen, die Kriegsfanfare kann morgen geblasen werden – worauf warten wir noch? Wollen wir selbst mitschuldig werden wie nie zuvor?

Wir wollen reden zu dieser Welt, kein halbes, sondern ein ganzes Wort, ein mutiges Wort, ein christliches Wort. Wir wollen beten, dass uns dieses Wort gegeben werde – heute noch – wer weiß, ob wir uns im nächsten Jahr noch wiederfinden?" (D. Bonhoeffer, Gesammelte .Schriften Band I 1958 S. 216-219)

(Ausführlicher im Blog Pazifismus und Theologie 2.3 Dietrich Bonhoeffer)

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